Tourismus und das Souvenir – Eine Online-Ausstellung

Souvenirs sind ein konstitutives Element des Tourismus. Sie sind so selbstverständlich wie die Voraussetzungen, die den Tourismus ermöglichen oder begünstigen.

Das Souvenir ist ein so unverzichtbares Requisit der touristischen Kultur wie das Flugzeug, der Reisebus, das Hotel, die Reisegruppe, der Reiseführer in Person, der Reiseführer in Buchform, die Sehenswürdigkeit und die Folkloreveranstaltung, Ansichtspostkarte, Landkarte und Stadtplan, Fotoapparat. Ein Tourismus-Land, in dem keine Souvenirs verkauft werden, gibt es nicht. (Ingrid Thurner)

KURZER RÜCKBLICK

Die Geschichte des Tourismus beginnt mit den Frühromantikern im 18. Jahrhundert. Um 1900 war dann die Goldene Zeit des Elitetourismus. Findige Veranstalter, voran Thomas Cook & Son, boten ausgeklügelte Arrangements an; auf dem Vesuv, etwa, betrieb die Weltfirma eine Seilbahn. Und riesige Kreuzfahrtschiffe, führend war hier die Hapag, befuhren die Meere von Samoa bis Spitzbergen. „Zu den Eigentümlichkeiten unserer Zeit gehört das Massenreisen“, notierte Theodor Fontane. Indes war sein Blick auf die eigenen, bürgerlichen Kreise gerichtet. Neun Zehntel der Deutschen hatten keinen Anteil am „Massenreisen“. Es fehlte an Zeit und Geld für diesen Luxus.

Auch nach dem Ersten Weltkrieg blieb die Urlaubsreise ein Vorrecht der „besseren Leute“, obwohl Arbeiter – etwa die Hälfte der Erwerbsbevölkerung – nun ebenfalls einen Urlaubsanspruch hatten. Freilich oft nur drei Tage, und bei einem Monatslohn von nicht einmal 200 Reichsmark blieb nichts übrig fürs Verreisen.

Die „Brechung des bürgerlichen Reiseprivilegs“ nahmen sich dann die Nationalsozialisten vor. Am 17. Februar 1934 rollten fahnengeschmückte Sonderzüge durchs Reich: 10.000 „Arbeiterurlauber“ wurden in die Ferien geschickt – ein propagandistischer Paukenschlag. Veranstalter des Spektakels war die halbstaatliche „NS-Gemeinschaft ‚Kraft durch Freude’“, kurz KdF. Der Sozialtourismus – auch der Urlaubsanspruch für Arbeiter wurde deutlich verbessert – wurde zum Kernstück des „Sozialismus der Tat“, der die renitente Arbeiterschaft vom „Klassenkampfgedanken“ abbringen sollte: Reisen als Ausgleich für den Verlust der Menschen- und Tarifrechte. Die Reise wurde erstmals industriell produziert – KdF wurde aus dem Stand zum weltgrößten Veranstalter, weit vor Thomas Cook. Die Bilder „deutscher Arbeitsmenschen“, die sich an Deck von Luxuslinern sonnten, sorgten im In- und Ausland für eine Sensation. Freilich: Der Propagandarummel verdeckte, dass trotz beachtlicher Teilerfolge kein sozialer Durchbruch erzielt wurde: Die Urlaubsreise blieb letztlich eine Sache der Ober- und Mittelschichten.

Erst in den 1960/70er Jahren wird das „Massenreisen“, von dem Fontane gesprochen hatte, in Ost und West allmählich soziale Realität. Auch untere Einkommen hatten jetzt zunehmend Teil am Tourismus. Die Urlaubsreise wurde ein selbstverständlicher Teil Lebensgestaltung in breitesten Schichten. 2019 hatten die Deutschen rund 55 Millionen Reisen unternommen, rund zwei Drittel davon ins Ausland. (Hasso Spode)

Dann kam der Lockdown.  Der Tourismus erlebt einen in Friedenszeiten noch nie dagewesenen Einbruch. Immerhin können uns Souvenirs an schöne Reisen erinnern, die wir bereits gemacht haben. Längst sind diese „Reise-Reliquien“ auch ein Thema der Forschung geworden. Hier werden solche Mitbringsel exemplarisch vorgestellt und zu ausgewählten Stücken wird die Geschichte erzählt, die mit ihnen verbunden ist.

 

 

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