{"id":122,"date":"2020-07-19T13:57:25","date_gmt":"2020-07-19T13:57:25","guid":{"rendered":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/a5.jpg"},"modified":"2020-08-08T16:08:52","modified_gmt":"2020-08-08T16:08:52","slug":"a5","status":"inherit","type":"attachment","link":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/?attachment_id=122","title":{"rendered":"A5"},"author":1,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"description":{"rendered":"<p class=\"attachment\"><a href='http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/a5.jpg'><img width=\"154\" height=\"115\" src=\"http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/a5.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" loading=\"lazy\" \/><\/a><\/p>\n<p>Grundfl\u00e4che: ca. 5,5 x 5,0 x 5,0 cm; H\u00f6he: ca. 1,5 cm \/ Das ann\u00e4hernd dreieckige Objekt hat eine nahezu glatte Oberseite, unregelm\u00e4\u00dfige Abbruchkanten und eine uneben profilierte Unterseite. Es besteht aus einem Lehmputz, der mit Pferdehaar und Stroh durchsetzt ist, wovon insbesondere letzteres an den Abbruchkanten aus der Lehmfassung heraussteht. Die Oberseite tr\u00e4gt eine z.T. rissige braune Farbfassung mit breitem blauen Mittelstreifen und weist wei\u00dfe Sprenkelungen auf. Die Unterseite ist im grauen Naturton des Lehms gehalten und weist einige braune Einschl\u00fcsse auf. Das St\u00fcck war Teil der Stuck-Innenauskleidung einer Nische, in der die gro\u00dfe der beiden Buddha-Statuen im Bamiyan-Tal (Afghanistan) bis zu ihrer Zerst\u00f6rung 2001 stand.<\/p>\n<p>Geschichte: Lehmputz<\/p>\n<p>Die Ente wurde langsamer und schnappte nach Luft. Noch ein paar Meter kroch sie den steilen Pass hinauf, dann war nichts mehr zu machen, beim besten Willen nicht. Die staubige Stra\u00dfe lag in erbarmungsloser Steigung vor ihr und machte ein Weiterkommen unm\u00f6glich. Doch das Ziel lag klar vor Augen. Wenn also die 16 Pferdest\u00e4rken des D\u00f6schewo in der sandigen Bergw\u00fcste an die Grenzen ihrer Leistungsf\u00e4higkeit stie\u00dfen, musste eben mit Muskelkraft nachgeholfen werden. Zwei schwerbepackte Dromedare zogen gem\u00e4chlich bergab vorbei, ohne von dem westf\u00e4lischen Kennzeichen weiter Notiz zu nehmen. Zu normal war das Bild wohl inzwischen geworden in Afghanistan, im Sommer 1970. <\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/EnteDromedare_bearb._DD.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Karte_bearb._DD.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Das Gef\u00e4hrt hatte die Gruppe in den vergangenen Wochen bereits von West-Berlin bis nach Kabul gef\u00fchrt, wobei man ab Herat bewusst einen Umweg \u00fcber Kandahar in Kauf genommen hatte, um nicht schon auf der bergigen Direktverbindung in die afghanische Hauptstadt immer wieder schieben zu m\u00fcssen. Doch jetzt ging es nicht anders, denn das Bamiyan-Tal war von Kabul aus nur \u00fcber eine steile Gebirgsstra\u00dfe zu erreichen. Mit vereinten Kr\u00e4ften gelang es jedoch, den Pass Meter f\u00fcr Meter zu \u00fcberwinden, um anschlie\u00dfend umso eleganter ins Tal hinunterzurasseln. Sie hatten ihr Ziel erreicht: Das Bamiyan-Tal mit seiner gr\u00fcnen Ebene, den zerkl\u00fcfteten Felsw\u00e4nden und den beiden weltber\u00fchmten Buddha-Statuen lag vor ihnen. Die \u00fcberlebensgro\u00dfen Figuren, die zwar keine Gesichter mehr hatten und auch sonst stark verst\u00fcmmelt waren, aber immer noch aufrecht und erhaben aus ihren sch\u00fctzenden Felsnischen \u00fcber das Tal wachten, zogen die Aufmerksamkeit sofort an sich. Vor der gr\u00f6\u00dferen hielt man an. Ehrf\u00fcrchtig fielen die Autot\u00fcren in ihre Schl\u00f6sser und w\u00e4hrend die Blicke \u00fcber den riesenhaften steinernen K\u00f6rper glitten, lie\u00df die Frage, wie viele Generationen von Menschen hier bereits gestanden haben, den Reisenden einen wohlig-kalten Schauer \u00fcber den R\u00fccken laufen. Und so geschah es dann auch nicht ohne ein gewisses Demutsgef\u00fchl, dass man voller Neugier weiter auf die Statue zuschritt, um zu der Aussicht zu gelangen, die auf der Hinfahrt in gespannter Erwartung immer wieder Thema gewesen war. Denn die buddhistischen Erbauer hatten im 6. und 7. Jahrhundert zahlreiche G\u00e4nge, Treppen und Kammern in der Felswand angelegt, die bis auf die K\u00f6pfe der Statuen hinauff\u00fchrten. Das Auto durfte sich dann auch endlich eine Verschnaufpause g\u00f6nnen, w\u00e4hrend die Gruppe im durchh\u00f6hlten Massiv verschwand.<br \/>\nDie dunklen Treppeng\u00e4nge wanden sich durch den Fels aufw\u00e4rts und lie\u00dfen die Neugierigen schlie\u00dflich auf den Scheitel der Statue hinaustreten. Hier, mehr als 50 Meter \u00fcber dem Boden, fanden sie den Lohn f\u00fcr die strapazi\u00f6se Hinfahrt. In luftiger H\u00f6he, k\u00fchl gesch\u00fctzt unter der Nischendecke und die Ente spielzeughaft klein zu ihren F\u00fc\u00dfen, lie\u00df es sich ebenso erhaben und selig ins gr\u00fcne Tal herabsehen, wie es der Buddha wohl einst selbst getan hat, als er noch ein Gesicht hatte.<br \/>\nIm Umdrehen dann, als es wieder hinuntergehen sollte, nahm man noch ein St\u00fcck bemalten Lehmputzes mit, das aus der br\u00fcchigen Innenauskleidung der Nische herausgefallen war. Die Erinnerung an den Blick \u00fcber Bamiyan hatte f\u00fcr die Gruppe eine feste Form bekommen. Plastischer und ausdrucksst\u00e4rker als jedes Foto.<br \/>\nDas wurde unten dann aber doch noch gemacht. Die Qualit\u00e4t von Kamera und Film war zwar nicht die beste, aber das spielte keine Rolle. Die gr\u00f6\u00dfere Statue, wie vorne auf dem Reisef\u00fchrer, nur diesmal in Farbe. Wir waren hier. Vielleicht w\u00fcrde man irgendwann nochmal wiederkommen, mit einem besseren Auto und einer besseren Kamera. Doch nun lag schon das n\u00e4chste Ziel der Reise vor Augen: Pakistan.<br \/>\nDie Buddha-Statuen im Bamiyan-Tal wurden 2001 von den Taliban gesprengt. Vom Lehmputz in den Nischen blieb kaum etwas \u00fcbrig. Das rotstichige Foto sollte das einzige bleiben. <\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Reisefu\u0308hrer_bearb._DD.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Statue_bearb._DD.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n"},"caption":{"rendered":"<p>Herkunft: Bamiyan-Tal (Afghanistan), 6. Jh. n. Chr.<\/p>\n"},"alt_text":"","media_type":"image","mime_type":"image\/jpeg","media_details":{"width":154,"height":115,"file":"2020\/07\/a5.jpg","sizes":{"thumbnail":{"file":"a5-150x115.jpg","width":150,"height":115,"mime_type":"image\/jpeg","source_url":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/a5-150x115.jpg"},"full":{"file":"a5.jpg","width":154,"height":115,"mime_type":"image\/jpeg","source_url":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/a5.jpg"}},"image_meta":{"aperture":"0","credit":"","camera":"","caption":"","created_timestamp":"0","copyright":"","focal_length":"0","iso":"0","shutter_speed":"0","title":"","orientation":"0","keywords":[]}},"post":68,"source_url":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/a5.jpg","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/122"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media"}],"about":[{"href":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/attachment"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=122"}]}}