{"id":117,"date":"2020-07-19T13:57:20","date_gmt":"2020-07-19T13:57:20","guid":{"rendered":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/b1.jpg"},"modified":"2020-07-21T15:43:07","modified_gmt":"2020-07-21T15:43:07","slug":"b1","status":"inherit","type":"attachment","link":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/?attachment_id=117","title":{"rendered":"B1"},"author":1,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"description":{"rendered":"<p class=\"attachment\"><a href='http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/b1.jpg'><img width=\"154\" height=\"206\" src=\"http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/b1.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" loading=\"lazy\" \/><\/a><\/p>\n<p>Form: Brett \u2192 quadratisch (wenn ausgeklappt 4 dreidimensionale Quadrate mit innerem Hohlraum + das gro\u00dfe Spielfla\u0308chenquadrat, wenn nicht ausgeklappt 1 Quadrat), Figuren \u2192 32 Figuren in Form ihrer jeweiligen Bedeutung \/ Gro\u0308\u00dfe: 18cm x18cm x 6cm, Material: Holz (Thuja?), \u00a0Farbe: \u2192 abwechselnd sehr helle bis sehr dunkle Braunto\u0308ne, Funktion: 1. Schach spielen 2. Ablage 3. Beha\u0308ltnis\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Es war an einem Dienstagnachmittag im Februar als die beiden Freundinnen in Marrakesh ankamen. Obwohl Lea Ma\u0308rkel und Manon Eichberger sich kaum ein halbes Jahr kannten, sa\u00dfen sie nun gemeinsam in einem von Dellen und Kratzern u\u0308bersa\u0308ten Mietwagen. Der Riss in der Scheibe fiel kaum auf. Es war ihnen ohnehin gleich, denn die schlaflose Vornacht hatte die beiden fru\u0308her als erwartet eingeholt. Die unendlichen Mo\u0308glichkeiten sich in Berlins Nachtleben zu verlieren waren Fluch und Segen zugleich und beide wussten, es wu\u0308rde nicht das letzte Mal bleiben.<br \/>\nDem auf einem Blatt Papier eingezeichneten Weg zur Unterkunft folgend, na\u0308herten sie sich der Altstadt. Sobald sie die ocker-rote Mauer der Medina passierten, wurden die Stra\u00dfen merklich schmaler. Je weiter sie hinein fuhren, desto gro\u0308\u00dfer wurden Manons Zweifel den Wagen im Falle falschen Einbiegens wenden zu ko\u0308nnen. Der Abstand zwischen Seitenspiegel und Fassade wurde verschwindend gering, wa\u0308hrend sich immer mehr Menschen tummelten. Es klopfte immer ha\u0308ufiger an ihrer Scheibe, doch sie waren fest davon u\u0308berzeugt, dem eingezeichneten Weg in den Gassen zu folgen.<br \/>\nDer Wagen war nach einiger Zeit nun doch nahezu zum Stillstand gekommen, da das Gewusel der Motorra\u0308der, Menschen und unterschiedlicher Tiere den Weg unpassierbar machten. Hier schienen ga\u0308nzlich andere Verkehrsregeln zu walten.<br \/>\nDie beiden flachen, ausgestreckten Ha\u0308nde immer wieder gegeneinander schlagend und abwechselnd in Fahrtrichtung zeigend, schienen die sich vorbei-quetschenden Motorradfahrer ihnen etwas vermitteln zu wollen. Applaudierten sie zynisch der unbeschreiblichen Dummheit der beiden Touristinnen es mit Auto in das Zentrum der Medina schaffen zu wollen? Oder war es ein freundlich gemeinter Hinweis dafu\u0308r, dass die kommende Strecke zum Passieren zu eng sein wu\u0308rde? Vermutlich war es eine Mischung aus beidem.<br \/>\nObgleich die beiden Freundinnen einen Urlaub mit mo\u0308glichst wenig Internet geplant hatten, u\u0308berpru\u0308ften sie nun doch u\u0308ber die Ortungsfunktion ihres Mobiltelefons ob die Karte ihnen den richtigen Weg anzeigte. Und sie tat es. Was sowohl die digitale als auch die analoge Karte nicht anzeigten, waren die weit in die Stra\u00dfen hineinreichenden Sta\u0308nde und die stets wachsende Anzahl an Menschen, welche sich nicht im geringsten darum ku\u0308mmerten den Weg freizugeben.<br \/>\nEine halbe Stunde nach ihrer Ankunft fanden Lea und Manon sich in der unvorteilhaften Situation, von sieben Marokkanern aus einer Sackgasse herausgewunken werden zu mu\u0308ssen. Eine weitere Delle wu\u0308rde wohl kaum auffallen, dachte sich Lea, die schwei\u00dfgebadet den Wagen zu wenden versuchte. Zwei junge Ma\u0308nner u\u0308berzeugten die beiden, sie sicher zu ihrer Unterkunft zu begleiten<\/p>\n<p>und ihnen den Weg zu einem Parkplatz zu zeigen. Sie versicherten, eine Fahrt durch das Zentrum der Medina sei unmo\u0308glich. So fuhren die beiden auf ihrem Moped voraus. Der Fahrer fiel durch seinen gefa\u0308rbten Schnauzbart auf. Dunkelbraune Haare und Augen mit einem blond-orange gefa\u0308rbten Oberlippenbart; so eine seltsame Kombination hatte Manon schon lange nicht gesehen und in Berlin sah man so Einiges.<br \/>\nDen Wagen auf einem Parkplatz positioniert, liefen sie zu\u0308gigen Schrittes zu viert die engen Gassen an unza\u0308hligen Menschen und Marktsta\u0308nden vorbei. Manon musterte den Oberlippenbart des Marokkaners. Ihr Blick wanderte u\u0308ber seine Schulter- und Armta\u0308towierungen hin zu seinen mit blutigen Narben u\u0308bersa\u0308ten Ha\u0308nden; es kam ihr komisch vor, da sie sonst niemanden mit Ta\u0308towierungen sah und dachte, die Art von Ko\u0308rperkultur sei hier wenig verbreitet. In alle Himmelsrichtungen zeigend, lief er neben ihr her und za\u0308hlte einige der wichtigsten Sehenswu\u0308rdigkeiten in Marrakesch auf; sein Kompagnon na\u0308herte sich Lea und fragte, ob sie Interesse an Haschisch habe. Ein oder zwei Gramm dieser teuflischen Pflanze wu\u0308rden wohl nicht schaden, dachte sie sich. Am Riad angekommen legten sie ihre Koffer sofort ab, begaben sich auf die Terrasse und genossen gemeinsam mit dem freundlichen Besitzer der Unterkunft einen Tee und eine Haschischzigarette, welche ihnen den Sonnenuntergang und spa\u0308ter die Tajine in einem Restaurant nahe des zentralen Marktplatzes Djemaa el Fna versu\u0308\u00dfen wu\u0308rde.<br \/>\nAm na\u0308chsten Morgen sollte es direkt in Richtung Ku\u0308ste weitergehen, denn Marrakesch wollten die beiden wa\u0308hrend der letzten drei Tage der Reise erkunden. An einer Tankstelle lie\u00dfen sie erst den Mietwagen von einem jungen Marokkaner mit Diesel volltanken und machten sich auf den Weg gen Westen. Keine fu\u0308nf Minuten vergingen bis hinter ihnen ein schwarzer Rauchstreif aufkam und der Wagen den Geist aufgab. Der junge Herr hatte kein Diesel in den Tank gefu\u0308llt und den beiden somit einen ersten Nervenzusammenbruch beschert.<br \/>\nZum Glu\u0308ck hatten sie eine Vollversicherung abgeschlossen und zum Glu\u0308ck konnte Manon sich auf franzo\u0308sisch versta\u0308ndigen. Sechs Stunden, zwei Blitzer und zehn Liter Schwei\u00df und Tra\u0308nen spa\u0308ter erreichten sie in einem neuem Mietwagen die windige Ku\u0308stenstadt Essaouira. Sie tro\u0308steten sich damit, dass sie das ho\u0308chste Stresslevel des Urlaubs wohl hinter sich gebracht hatten. Bald wu\u0308rden sie herausfinden, dass dem ganz und gar nicht so war.<br \/>\nDen unregelma\u0308\u00dfigen Abstand der Treppenstufen nicht einkalkulierend stu\u0308rzte Manon die Treppe der na\u0308chsten Unterkunft hinauf. Beide lachten. \u201eEs gibt kein Heilmittel gegen Tollpatschigkeit\u201c sagte Lea und klopfte Manon aufmunternd auf die Schulter. Sie merkten schnell, dass es au\u00dfer ihnen keine weiteren Ga\u0308ste gab. Trotzdem fu\u0308hlten sie sich sehr wohl und entspannten einige Stunden auf den Sonnenliegen des Daches welches, obschon maximal mit Mo\u0308wenkot bedeckt, eine wunderbare Aussicht erlaubte. Nachmittags begaben sie sich auf Erkundungstour durch die als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannte Medina von Essaouira. Sich neben alten Messingkanonen in den Passatwind lehnend sa\u00dfen die beiden auf der Stadtmauer und schauten auf den Atlantik. Lea begutachtete die Berber-Halskette, die sie sich an einem der unza\u0308hligen Sta\u0308nde in den schmalen verwinkelten Gassen zugelegt hatte.<br \/>\nSchlie\u00dflich liefen sie in Richtung des Hafens um dort ihr Abendessen zu sich zu nehmen. Obwohl beide unglaublichen Hunger hatten, machten sie noch an einem kleinen Gescha\u0308ft, welches diverse Holzschatullen anbot, halt. Da entdeckte Manon ein Schachbrett. Solch ein Schachbrett hatte sie noch nie gesehen. Drehte man die obere Scheibe im Uhrzeigersinn, so erschienen vier Beha\u0308lter in welchen die Spielfiguren zu finden waren. Manon musste an ihr altes Schachbrett denken, das sich immer noch in der chemischen Reinigung befand. Im Sommer 2017 hatte es in Berlin einen schrecklich starken und langen Platzregen gegeben, der den Keller ihrer Eltern unter Wasser setzte. Mit der Feuchtigkeit kam der Schwarzschimmel und mit dem Schwarzschimmel der endlos lange Rechtsstreit mit dem Vermieter. Am Ende musste dieser einwilligen, fu\u0308r die kostspielige Reinigung eines Gro\u00dfteils der Gegensta\u0308nde im Haus, darunter Manons Schachbrett, aufzukommen. Da solle noch einmal jemand behaupten, in Berlin mache sich der Klimawandel nicht bemerkbar.<br \/>\n150 marokkanische Dirham wollte der Verka\u0308ufer fu\u0308r das Brett. Auf Manons Frage, ob er es<\/p>\n<p>selbstgeschnitzt habe, fu\u0308hrte er sie in einen Hinterraum seines Gescha\u0308fts, wo sich ein Tisch mit Holz und Sa\u0308ge befand. U\u0308berzeugt. Ob selbstgeschnitzt oder nicht, es war der perfekte Kauf fu\u0308r den Anfang der Reise und der perfekte Anlass fu\u0308r Manon ihre Elo-Zahl zu erho\u0308hen und Lea endlich das Schachspielen beizubringen. Nachdem sie den Laden verlassen hatten, rief ihnen der Verka\u0308ufer mit u\u0308berdimensional gro\u00dfen Fu\u0308\u00dfen auf franzo\u0308sisch hinterher: \u201eDas Leben ist wie ein Schachspiel, vergesst das nicht\u201c.<br \/>\nSie liefen zum Moulay Hassan Platz, wo ihnen durch den starken Wind plo\u0308tzlich die Haare noch sta\u0308rker ins Gesicht peitschten. In einem Restaurant mit Blick auf das Meer bestellten sie zwei Ha\u0308hnchentajinen mit Rosinen. Manon war vo\u0308llig in Gedanken vertieft und fragte sich, was der Verka\u0308ufer mit den Riesenfu\u0308\u00dfen wohl mit seinem Zuruf gemeint hatte. Just in diesem Moment sagte Lea: \u201eWei\u00dft du Manon, mein Leben ist wirklich wie ein Schachspiel. Ich habe absolut keine Ahnung wie man es spielt\u201c. Beide schmunzeln. \u201eVielleicht ist das Leben vergleichbar mit einem Schachspiel, weil egal wie gut eine Strategie oder ein Plan auch sein mag, der Verlauf wird immer von den Entscheidungen des Gegners mitbestimmt\u201c, antwortet Manon. Fu\u0308nf Minuten und eine halbe Tajine spa\u0308ter fu\u0308gt sie fragend hinzu: \u201eJe besser man die Spielregeln des Lebens oder des Schachspiels kennt, desto la\u0308nger bleibt man am Leben..?\u201c. So verbrachten sie den Rest des Abends und stellten Vermutungen daru\u0308ber auf, was der Herr wohl gemeint haben ko\u0308nnte.<\/p>\n"},"caption":{"rendered":"<p>Herkunft: unbekannt<\/p>\n"},"alt_text":"","media_type":"image","mime_type":"image\/jpeg","media_details":{"width":154,"height":206,"file":"2020\/07\/b1.jpg","sizes":{"thumbnail":{"file":"b1-150x150.jpg","width":150,"height":150,"mime_type":"image\/jpeg","source_url":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/b1-150x150.jpg"},"full":{"file":"b1.jpg","width":154,"height":206,"mime_type":"image\/jpeg","source_url":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/b1.jpg"}},"image_meta":{"aperture":"0","credit":"","camera":"","caption":"","created_timestamp":"0","copyright":"","focal_length":"0","iso":"0","shutter_speed":"0","title":"","orientation":"0","keywords":[]}},"post":68,"source_url":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/b1.jpg","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/117"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media"}],"about":[{"href":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/attachment"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hat.hist-soz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=117"}]}}